Vulkanausbrüche verursachen Hunger und Migration

Palaeozoologie, Palaeobotanik und alle archäologischen Hilfswissenschaften, sowie Methodendiskussionen innerhalb der Archäologie.

Vulkanausbrüche verursachen Hunger und Migration

Beitragvon ulfr » 09.07.2015 15:12

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Re: Vulkanausbrüche verursachen Hunger und Migration

Beitragvon Trebron » 10.07.2015 12:30

Da könnte ich mir vorstellen, dass in unserer Region die Explosion, die den "Laacher See" gebildet hat, auch für Migration, und vor allem "Dezimierung" der Bevölkerung gesorgt hat:
http://vulkanschule.de/vulkane/ausbruch-laacher-see

https://www.google.de/search?q=laacher+ ... ywO914bIAg

:mammut2:
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Ilopango Ausbruch trug maßgeblich zum Ende der Antike bei

Beitragvon Pitassa » 16.11.2022 21:15

Gemeinsam mit dem Vulkanologen Clive Oppenheimer gelang den Archäologen Robert Dull und Paul Amaroli im Jahre 2012 der Nachweis, dass die in den Jahren 532 und 539 erfolgten Ausbrüche des in El Salvador befindlichen Vulkanes Ilopango maßgeblich für das plötzliche Ende der Antike mitverantwortlich sein werden. Im Zuge seiner beiden Ausbrüche wird der Ilopango zunächst einmal bis zu 90 Millionen Tonnen Schwefelgase in die Atmosphäre ausgestoßen haben, wobei diese in eine Höhe von bis zu 50 Kilometern hinaufgeschleudert wurden. Der zweite Ausbruch sprengte schließlich den gesamten Vulkankegel hinweg, wobei der Ilopango mehr als 40 Milliarden Tonnen Lava und Gestein bis zu 100 Kilometer weit auswarf, sodass sich in dieser Zone stellenweise bis zu 70 Meter starke Ablagerungen nachweisen ließen. :9:

Unweit der rund 15 Kilometer nördlich des Vulkanes Ilopango gelegenen Ortschaft El Mico wurden 2012 von ihnen zwei Bäume gefunden, welche in etwa 5 Metern Tiefe unverbrannt aus dem ursprünglichen Boden in die Tephra hinein ragten. Radiokarbonuntersuchungen ergaben für den subfossilen Baum El Mico A eine C-14 Datierung in die Jahre 507 - 549, wobei der Median bei 532 n. Chr. lag. Für den Baum El Mico B fiel die C-14 Datierung in die Jahre 503 - 545 und dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 95,4 %. Beide Eruptionen durften sich in der Zeit zwischen 526 und 544 n. Chr. ereignet haben und verdunkelten selbst noch in Europa für etwa 18 Monate die Sonne, wie Johannes von Ephesos berichtete. Dies führte zu Hungersnöten, Kriegen und Seuchen, sodass viele Gebiete Europas binnen weniger Jahrzehnte regelrecht entvölkert wurden und die Kultur der Antike erlosch.

Quelle :

Podbregar, Nadja : Rätsel-Vulkan der Spätantike identifiziert. Eruption in El-Salvador stoppte Mayabauten und begünstigte die Pest in Europa. In : scinexx - das Wissensmagazin, Artikel vom 19. August 2019.

Link : https://www.scinexx.de/news/geowissen/r ... tifiziert/

Dull, Robert ; Oppenheimer, Clive ; Amaroli, Paul et alias : Radiocarbon and geologic evidence reveals Ilopango volcano as source of the colossal 'mystery' eruption of 539 / 40 CE. In : Quaternary Science Reviews, Vol. 222, Oxford 2019.

Link : https://www.sciencedirect.com/science/a ... via%3Dihub (View Open Manuscript)

Ich bin immer wieder verblüfft, was für gewaltige Umwälzungen die Ausbrüche von Vulkanen mit sich bringen können. :hallo:
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Re: Vulkanausbrüche verursachten Kaltzeiten

Beitragvon Pitassa » 20.11.2022 06:52

Menschen, Tiere und Pflanzen mussten sich in der jüngsten Klimageschichte wiederholt an den Wechsel von Kalt- und Warmphasen anpassen. Dies zeigt erneut eine neue, am Niels Bohr Institut durchgeführte Untersuchung. Die von Johannes Lohmann und Anders Svensson erarbeitete Studie wurde 2022 unter der Lizenz Creative Commons Arribution 4.0 online gestellt. Ihre Ergebnisse seien hier daher am Beispiel einer Grafik näher vorgestellt.

Die im Anhang befindliche Figur 1 zeigt die Auswertung der Sauerstoff - Einschlüsse in gezogenen Eisbohrkernen. Die Aufzeichnung deckt den Zeitraum der Jahre 12.000 - 60.000 vor unserer Gegenwart ab. Im Ergebnis macht die Graphik zunächst einmal deutlich, wann es in dieser Zeit zu großen Vulkanausbrüchen kam. Dann aber zeigt sie zudem, dass große Vulkanausbrüche auf der Nordhalbkugel (rot) dort zu einer abrupten Abkühlung und damit zum Ende der jeweiligen Warmzeit führten. Große Vulkanausbrüche auf der Südhalbkugel (gelb) dahingegen scheinen auf der Nordhalbkugel offenbar tendenziell zu einer maßgeblichen Erwärmung geführt zu haben. Die in dieser Grafik gezeigten Ergebnisse stützen das Dansgaard-Oeschger Modell, welches den Wechsel von Warm- und Kaltzeiten in der letzten glazialen Periode erklären soll und derzeit zur Diskussion steht. :4:

Quelle :

Lohmann, Johannes ; Svensson, Anders : Ice core evidence for major volcanic eruptions at the ontset of Dansgaard-Oeschger warming events, Kopenhagen 2022.

Climate of the Past. Download article (3479 KB) as well as Supplement (2659 KB) at Copernicus :

Link : https://cp.copernicus.org/articles/18/2 ... ssion.html

Ein sehr interessanter Ansatz und eine ebenso interessante Lektüre :18:

Gruß Pitassa :fox:
Dateianhänge
Svensson_Lohmann_Dansgaard_Oeschger_warming_events_12000_60.000_kal._Kopenhagen_2022_Open_Access_Lizenz_CC_BY_NC_4.0_.png
Grafik : Auswertung der Sauerstoff-Einschlüsse in Eisbohrkernen für die Jahre 12.000 bis 60.000 kalibriert. Quelle : Johannes Lohmann ; Anders Svensson : Ice core evidence for major volcanic eruptions at the onset of Dansgaard-Oeschger warming events, Kopenhagen 2022, Figur 1. Open Access, CC BY NC 4.0.
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