2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

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Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon FlintMetz » 11.10.2017 07:20

@Blattspitze: Ich habe damals massiv gewarnt, dass es da so einen Hamburger Jung gibt, der schon dem Käpt´n Blaubär das Lügen abgewöhnt hat... :lol: :lol: :lol:

Nein - jetzt im Ernst: Da muss sicher kein Haupt gesenkt werden, denn alles ist von Dir sehr richtig und völlig korrekt dargestellt. Ich meine nur, dass man immer im Hinterkopf behalten muss, welchen wissenschaftlichen Anspruch das jeweilige Medium mit sich bringt. Als Archäologen sehen wir oft vieles sehr eng, was zum Teil natürlich auch berechtigt ist, denn für Klamauk muss man nicht jahrelang an der Uni studieren. Trotzdem ist die Archäologie heute in einer Situation, in der man schon froh sein muss, wenn sich überhaupt die breite Masse dafür interessiert. Es bleibt also immer ein gewagter Spagat, wenn man den Schritt aus dem Elfenbeinturm hinaus in eine populare, breitenwirksame Darstellung, wie es ein Kinofilm eben mal ist, wagt.
@Flintmetz: Ja, es stimmt. Die Wirklichkeit ist unwichtig, weil es immer darum geht, was im Drehbuch steht - wenn es nicht weggestrichen wird...
@Sculpture: Naja - ganz so frei würde ich es nicht ansetzen, wenn es um die Wirklichkeit geht. Aber wer von uns kennt die schon vollständig? Am Ende kommt es immer darauf an, wie weit der gesunde Menschenverstand die uns unbekannten Faktoren ersetzt und wie gut Drehbuch und Regisseur drauf sind und wie offen sie für Beratungen sind.

Schöne Grüße...

Robert
Dem Retuscheur ist nichts zu schwör...
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Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon LS » 11.10.2017 08:11

Ich hab ja bisher nur den Trailer gesehen, aber die Figuren erinnern mich eben doch sehr an den Mündl-Film. Damals haben einige Leute nach der Premiere deutlich ihre Meinung gesagt, aber der Filmemacher des neuen Films (geb. 1974) hat das offenbar nicht mitbekommen, zumindest ist keine Lernkurve in diesen 20 Jahren zu erkennen. Die Neolithiker werden sicher keine zotteligen Hippies gewesen sein, auch wenn keiner von uns so wirklich als Zeitzeuge dabei war. Einige Felsbilder vom Mont Bego lassen eher auf hochgesteckte Frisuren schließen (also eher wie Samurai zum Bsp.).
Die neandertaloide Optik geht mir schon ein bisschen auf den Keks, muss ich zugeben...

Gruß Leif
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Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon ulfr » 11.10.2017 09:32

"Ein Gelehrter fand Topfscherben mit Versen des Euripides, baute daraus die verlorene Tragödie und fand seine Arbeit so gut, daß er die Originale wegwarf."

Wilhelm Lehmann "Bukolisches Tagebuch"

Soviel zum Film, ich enthalte mich der Diskussion, mir reicht der Mündl-Film und seine Premiere damals in Wien, seitdem hat sich NICHTS geändert, und deshalb bin ich raus :3: Näheres gern mündlich.

@LS: Ich glaube noch nicht mal, dass viele Neandertaler neandertaloid aussahen, man denke nur an die Adlerkrallen
http://www.sueddeutsche.de/wissen/halsk ... -1.2388137

Vermutlich waren sie genauso eitel wie der HSS und keine wandelnden Müllhaufen.
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Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Sculpteur » 11.10.2017 09:54

Naja - ganz so frei würde ich es nicht ansetzen, wenn es um die Wirklichkeit geht.


Tschuldigung, Robert. Du hast natürlich vollkommen recht. Ich hätte einen zwinkernden Smiley hinter meine Aussage setzen müssen.

:18:
Herzliche Grüße,
Vince
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Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Blattspitze » 11.10.2017 13:21

FlintMetz hat geschrieben: Als Archäologen sehen wir oft vieles sehr eng, was zum Teil natürlich auch berechtigt ist, denn für Klamauk muss man nicht jahrelang an der Uni studieren. Trotzdem ist die Archäologie heute in einer Situation, in der man schon froh sein muss, wenn sich überhaupt die breite Masse dafür interessiert. Es bleibt also immer ein gewagter Spagat, wenn man den Schritt aus dem Elfenbeinturm hinaus in eine populare, breitenwirksame Darstellung, wie es ein Kinofilm eben mal ist, wagt.

Da hast Du selbstverständlich recht.
Wir werden sehen, ob der Film erfolgreich wird.

Frau Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, hat den Film mit 390.000,00€ gefördert. Höchstwahrscheinlich wurde diese Förderung ausschließlich im Hinblick auf das kulturell-künstlerisch betrachtete Medium Film gewährt, und nicht aus archäologischer Sicht, obwohl Archäologie auch in ihr Ressort fällt. Ich kenne aber natürlich den Förderungsantrag nicht ...

Nur mal so:
Die entsprechende Filmförderung fällt wesentlich großzügiger aus, allerdings mit der Auflage, dass die gesamte Produktion mit einem archäologischen Fachberater abgestimmt wird. Es gibt die Möglichkeit in versch. archäologischen Freilichtmuseen zu drehen.
Das friedliche Dorfleben zu Anfang des Films nimmt viel breiteren Raum ein und wird positiv gezeigt. Das Leben, die Bewohner und die Hauptpersonen erscheinen so erstrebenswert, gutgelaunt, schön, geschmückt und gepflegt wie z.B. die Lakota in "Der mit Wolf tanzt" oder die Navi in Avatar. Die Sprache ist deutsch oder zumindest untertitelt, damit auch wichtige Feinheiten transportiert werden können. Evtl. lernen wir das Dorf aus der Sicht eines gutaussehenden, aber kulturell Fremden kennen, den es nach Südtirol verschlagen hat und der sich in eine schöne Häuptlingstocher (Palina Rojinski) Pocahontas-mäßig verliebt. Die Gegenspieler sind eindeutig als "andere" erkennbar über andere Tracht, Schmuck, Frisur etc.. Trotz allen Blutvergiessens gibt es ein überraschendes Happy End, denn die nach tausenden Jahren geborgene Leiche (Jürgen Vogel) war einst der tapfere Anführer der "bösen" Angreifer und wurde vom Held (Till Schweiger) am Alpenhauptkamm beim großen Finale gestellt. Das wäre sicher ein 100%er Erfolg geworden, die Geschichte hat genau so schon zig mal funktioniert. :41: Millionen Menschen würden sich auf einmal für das Neolithikum interessieren, Bärenfellmützen statt Basecaps werden hip ...

Mal im Ernst: Ich seh`s ähnlich wie Leif, die Haare waren zu klischeemäßig. Was wissen wir denn wirklich über Bart- und Haarlänge des Mannes vom Tisenjoch?
Zukunft ist die Zeit, in der man die ganze Vergangenheit kennen wird. Solange man die Vergangenheit nur teilweise kennt, lebt man in der Gegenwart. Gabriel Laub
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Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon ulfr » 11.10.2017 15:05

:D :D :D

Blattspitze hat geschrieben:Was wissen wir denn wirklich über Bart- und Haarlänge des Mannes vom Tisenjoch?


Maximal gemessene Länge 9 cm, wobei Spindler/Egg betonen, dass kein vollständig erhaltenes Haar gefunden wurde, sondern nur solche, die einseitig abgebrochen waren.
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Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Trebron » 11.10.2017 15:56

Ich bin auch mal gespannt wie sein Flitzebogen :-)

Die Kritiken bis jetzt fallen wohl nicht so gut aus ;-)

http://www.filmstarts.de/kritiken/246958.html


:mammut2:
Wer nur zurück schaut, sieht nicht was auf ihn zu kommt
Uff pälzisch: wä blos zurigg guggt, sieht net was uff`ne zukummd
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Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Bullenwächter » 11.10.2017 18:39

Auf Kritiken gebe ich nicht viel, denn viele Filme die mir gefallen fielen bei den Kritikern durch. Aber mein Geschmack ist höchstwahrscheinlich nicht Massenkompatibel.
Der Tag wird kommen, da wir um zu bewahren, töten müssen!
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