Klingen drücken

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Klingen drücken

Beitragvon FlintMetz » 08.02.2013 19:54

Hallo zusammen,

ich bin gerade einwenig beim Rumdrücken und hab dazu einen kleinen Bericht gemacht:

http://youtu.be/YO176sgOmf0

Im Prinzip ist in dem Film alles gesagt. Das größere Problem ist es, einen perfekten Kern herzustellen. Wenn der mal da ist, sind die Klingen ebenso perfekt, da es mir bis jetzt noch nicht passiert ist, dass beim Drücken irgendwelche Stufenbrüche oder andere Ärgernisse entstanden sind. 90 Grad und eine möglichst gerade Abbaufläche und ab geht die Post. Je enger der Druckflächenradius, desto schmaler die Klingen - auch logisch... ich erzähle da keine Geheimnisse :-)

Dann viel Spaß beim Kucken!

Schöne Grüße...

Robert
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Re: Klingen drücken

Beitragvon Skulpteur » 08.02.2013 22:02

Hallo Robert,

der Bericht ist sehr spannend und lehrreich! Mir war völlig unbekannt, dass sich Flint auf diese Art und Weise bearbeiten lässt und dabei solch filigrane Klingen herauskommen!

Wie man wieder einmal gut sehen kann, geht nichts über einen fähigen Handwerker, bei dem man sich die guten Tricks abgucken kann! :D

Allerdings denke ich mir, dass das Klingendrücken nicht ganz frei von der Möglichkeit ist, sich ordentlich einen beizubringen?

Herzliche Grüße,

Vinzenz
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Re: Klingen drücken

Beitragvon Trebron » 09.02.2013 10:08

Sehr schön dokumentiert und vor Allem mal in DEUTSCH ! Habe diese Art der Klingenherstellung sch von Amis gesehen, aber den Kommentar verstand ich nicht !
Die Namensänderung ist voll berechtigt und war notwendig.

:mammut2:
Wer nur zurück schaut, sieht nicht was auf ihn zu kommt
Uff pälzisch: wä blos zurigg guggt, sieht net was uff`ne zukummd
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Re: Klingen drücken

Beitragvon FlintMetz » 09.02.2013 10:54

@VinzenzMariaHoppe: Weh tun kann man sich ja bei allem, aber hier geht´s eigentlich fast nicht - bis auf die Möglichkeit, sich in die Finger zu schneiden und Muskelkater an diversen Körperstellen, wenn man es zu sehr übertreibt :wink:
@Trebron: Auf deutsch hab ich da auch noch nichts passendes gefunden, und deshalb ist das mal mein Beitrag für den hiesigen Sprachgebrauch. Das macht es dann für manche einfacher... :)

Schöne Grüße...

Robert
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Re: Klingen drücken

Beitragvon ulfr » 09.02.2013 13:02

Trebron hat geschrieben: und vor Allem mal in DEUTSCH


Ich schwanke jedesmal, wenn ich einen Film einstelle, ob ich nun auf Englisch oder Deutsch kommentieren soll - irgendwer versteht immer nix. Werde wohl in Zukunft wie schon meistens zweisprachig arbeiten. Bei mündlichen Kommentaren wirds allerdings schwierig.

Schöner Film, Rob! Ich hab überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, vor dem Klingenaustrittsfenster ein kleines Netz o.ä. anzubringen, damit die frischen Klingen nicht durch die Bude sausen und dabei evtl. kaputtgehen ...?

Einige Autoren beschreiben, dass sie beim Aufbauen des Drucks mit dem Druckstab vor- und zurückschwingen - das hast Du nicht gemacht, oder?
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Re: Klingen drücken

Beitragvon FlintMetz » 09.02.2013 13:13

@Ulfr: Das Netz ist eigentlich nicht nötig, da es noch NIE eine Klinge extern des Blocks zerlegt hat. Wenn, dann haben sie den Ausgang nicht gefunden und sind da gebrochen. Und es klingt so schön, wenn die Klinge kommt. :wink:
Das mit dem Vor- oder Zurückschwingen hab ich ehrlich gesagt nicht verstanden. Ich setze den Stab extrem sparsam und schräg auf den Punkt, dann stelle ich den Stab steiler und komme damit ausreichend in die Fläche. Wenn der Druck passt, gibt es noch einen kleine Ruck von Kern weg - das sieht man aber nicht. Meinst Du das?

Schöne Grüße...

Robert
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Re: Klingen drücken

Beitragvon ulfr » 09.02.2013 13:47

Nein, ich meine ein regelrechtes vor- und zurück"wibbeln" während des Druckaufbaus - ich weiß nur nicht mehr, wo ich das her habe ... mesoamerikanisch? Wahrscheinlich ...

Dass es einen kleinen Ruckler gibt, wenn die Klinge sich löst und der Druckstab den Widerstand verliert, ist klar - haut es da nicht manchmal die Druckstabspitze auf den Boden oder kannst Du rechtzeitig bremsen?
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Re: Klingen drücken

Beitragvon Skulpteur » 09.02.2013 17:14

ulfr hat geschrieben:...haut es da nicht manchmal die Druckstabspitze auf den Boden oder kannst Du rechtzeitig bremsen?...


Genau das meinte ich mit der von mir hinterfragten Verletzungsgefahr, Robert. Ich kenne das aus anderen Bereichen. Wenn der Körper eine entsprechende Kraft und Spannung aufbaut und das Werkzeug plötzlich abrutscht, kann - je nach Tätigkeit - der ganze Körper das Gleichgewicht verlieren und hinterherschnellen. Dabei kann man sich - je nach Bereich und verwendeten Werkzeugen - theoretisch und auch praktisch ordentlich verletzen.

Ulfr, du meinst sicherlich eine Art von Hin- und Herwippen beim Drücken, dass ich ebenfalls aus anderen Anwendungsbereichen kenne. Dabei wird dosiert Kraft und eine für die Kraftleitung notwendige Anspannung im Körper aufgebaut. Schließlich ist ja auch schon viel Kraft und Körperspannung allein dafür erforderlich, einen Druckpunkt bei solcher Werkzeuglänge ordentlich auf einem Punkt auf einer glatten Oberfläche zu halten. Mit dem Hin- und Herwibbeln nähert man sich dem Punkt optimalen Krafteinsatzes auf den Druckpunkt an. Die hohe Anspannung im Körper kann dabei beim Drücken gleichzeitig als "Körperbremse" verwendet werden, damit es nicht zu Verletzungen durch zu schnelles Nachschnellen des Körpers kommt. So ist mir das zumindestens bekannt.

Herzliche Grüße,

Vinzenz
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Re: Klingen drücken

Beitragvon FlintMetz » 09.02.2013 17:54

Also - nein - ich wippe nicht und sehe auch für mich keinen Bedarf. Ganz im Gegenteil - je ruhiger ich den Winkel anpeilen kann, desto konzentrierter läuft die Sache (Gewichtsverlagerung, Gleichgewicht, Atmung, Druckaufbau usw.) ab.

Dass man mit der Spitze auf den Boden kommt, ist mir nur ganz am Anfang 2 oder 3mal passiert, als ich anfangs noch mit sehr kleinen und kurzen Kernen getestet habe. Mit Kernen über 7 oder 8cm Länge habe ich nicht das Problem = 0 Bodenkontakt.
Aber Körperspannung ist schon wichtig, das stimmt. Und als ich an einem Abend mal ca. 70 - 80 Klingen gedrückt habe, hatte ich am nächsten Tag Muskelkater im Allerwertesten. Scheinbar ist es vor allem der Gesäßmuskel, der den Oberkörper über die Wirbelsäule und das Hüftgelenk beim Absacken auffängt. Ansonsten ist es aber eine extrem friedfertige Technik :wink:

Schöne Grüße...

Robert
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Re: Klingen drücken

Beitragvon Skulpteur » 09.02.2013 19:29

FlintMetz hat geschrieben:...Und als ich an einem Abend mal ca. 70 - 80 Klingen gedrückt habe, hatte ich am nächsten Tag Muskelkater...Robert



Das ist wahres wissenschaftliches Engagement, Robert! :D :18:

Herzliche Grüße,

Vinzenz
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Re: Klingen drücken

Beitragvon Blattspitze » 10.02.2013 22:38

Großes Kino Robert, klasse!

ulfr hat geschrieben:Nein, ich meine ein regelrechtes vor- und zurück"wibbeln" während des Druckaufbaus - ich weiß nur nicht mehr, wo ich das her habe ... mesoamerikanisch?

Das wäre spannend, aber aus mesoamerikanischen Zusammenhängen sind mir "wibbelnde" Druckstäbe nicht bekannt, da kenne ich nur die Itzcolotli-Variante. Ich kenne flexible Druckstäbe zum Klingen-Drücken aus einem Artikel von J. Pelegrin. Da habe ich die "debitage par pression a la bequille souple" einmal abgebildet gesehen. Könnte sich also auch um eine "neu erfundene" Variante handeln?
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Re: Klingen drücken

Beitragvon FlintSource » 11.02.2013 01:05

Ganz dickes Lob! Große Klasse, das werden wir in Haderslev auch mal mit der freihändig geführten Kamera von ganz nah dran dokumentieren.

Was Verletzungsgefahr beim Drücken angeht: Ich habe da ein paar Geschichten von Witold Migal mit seiner Druckmaschine gehört, wobei die frischen Klingen hochgeschwindig durch den Raum geflogen sind........
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Re: Klingen drücken

Beitragvon FlintMetz » 11.02.2013 10:24

Vielen Dank für den Zuspruch - ich hab mal gesucht und es gibt in der Tat nicht wirklich was auf Deutsch. Nach Haderslev werde ich die Sachen auf jeden Fall mitbringen und vielleicht hab ich ja bis dahin auch meinen Itzcolotli soweit unter Kontrolle, dass mehr als nur Gelächter dabei rauskommt :-)

Klar ist die filmische Qualität noch lausig, aber ich bin ja absoluter Neuling auf dem Gebiet der Kamera und für die Berinale werde ich mir zumindest einen anderen MakeUp-Artist suchen (und vielleicht Veronika Ferres als Assistentin) :D

@Flintsource: Fliegende Klingen sollten nur dann ein Problem sein, wenn man mit kurzen Hosen und Flip-Flops arbeitet. Nur rät sich das bei Obsidian eh nicht und in meiner Werkstatt hat es z.Z. nie mehr wie max. 7 Grad Innentemperatur. -Bibber-
Zur Not dann kann man dann ja immer noch ein Auffang-Netz o. Ä., wie von Ulfr bereits vorgeschlagen, installieren. Nur klimpert es dann nicht mehr so schön... (da steh ich voll drauf) :wink:

Schöne Grüße...

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Re: Klingen drücken

Beitragvon ulfr » 11.02.2013 11:30

Ich erinnere mich da auch an einen Kollegen, dessen Versuch des "chest-flaking" mit gebrochenen Rippen endete - "afglitscht!" wie man bei uns so passend sagt.

Es ist gut möglich, dass es sich beim "Wibbel"drücken um eine neue Technik handelt, ich versuche mal mich zu erinnern, wo ich das her habe ...
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Re: Klingen drücken

Beitragvon FlintMetz » 11.02.2013 13:57

mit gebrochenen Rippen

eieiei... aber mit Verlaub: Stab etwas kürzer machen und dann nicht mit dem Brustkorb drücken (wäre mir auch zu gefährlich), sondern auf Nabelhöhe mit dem Bauch (so es denn die Muskulatur dort zulässt). Man hat dann zwar kurz etwas Probleme mit der Atmung, weil gleich darüber auch das Zwerchfell liegt (und quatschen für die Kamera ist dann kurzzeitig nicht möglich), aber dort kann dann sowas nicht passieren... :)

Schöne Grüße...

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