Die Ausgrabung

Von den Höhlenwänden bis zum Celluloid

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Die Ausgrabung

Beitragvon ulfr » 06.02.2021 11:41

Hab gestern "The dig" (zu Deutsch: "Die Ausgrabung") gesehen, der Film über die Entdeckung des Sutton-Hoo-Schiffsgrabes sollte eigentlich ins Kino, musste dann aber an Nettfliks übergehen.
Hat mir gefallen, ist allerdings manchmal etwas schmaltzy (Natürlich muss eine unglückliche Liebesgeschichte mitspielen) und ertrinkt mitunter in zuviel sämigen Geigen, was den Soundtrack angeht - wirkt vielleicht im echten Kino zusammen mit der Vintage-Farbgebung anders und nicht so aufdringlich.
Die Geschichte von Basil Brown ist allerdings anrührend und war mir so auch nicht bekannt. Ein paar schöne Aphorismen zum Thema Archäologie gibts dazu.

Kurzum: 3,5 von 5 Spaten!
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Re: Die Ausgrabung

Beitragvon Blattspitze » 08.02.2021 15:51

Danke für den Tip, wir fanden es ganz unterhaltsam, ein stimmungsvoller, unaufgeregter Film mit schönen Landschaftsaufnahmen. Die eigentliche Kunst des Ausgräbers, die dabei so beschworen wird beschränkt sich im Film jedoch nur auf das Herauspräparieren der Spanten. Dokumentation kommt genau wie bei Indiana Jones nur in Form kleiner abendlicher Tagebücher vor, es wird gar nix gemessen und gezeichnet, Fotos muss der Laie mit der zufälligen Kamera machen. Überhaupt sehen die Grabhügel, (einstürzende) Profile und Boden ohne Verfärbungen nach Hollywood aus, ist aber ok.
Insgesamt folge ich Deiner Bewertung, 5 von 5 Spaten hat allerdings die (Tweed-) Kostümierung und komplette sonstige Ausstattung verdient, sowie die stetigen Hinweise auf die sprichwörtlichen britischen Klassenunterschiede!
ulfr hat geschrieben:unglückliche Liebesgeschichte
Aber am Ende haben sich doch noch zwei bekommen?

Aktuell wird dem Film grade von den Empörungsspezialisten "Ageism", also Altersdiskrimminierung vorgeworfen:
https://www.diepresse.com/5932619/holly ... mit-ageism
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Re: Die Ausgrabung

Beitragvon Sculpteur » 08.02.2021 17:11

Wenn auch mir mehr Details über die Ausgrabung fehlen, halte ich den Film für sehr gelungen. Es ist wunderbar, Ralph Fiennes in der Rolle des Basil Brown zu sehen. Der Film hat zwar "romantische Längen", wie sie zum Kino a la Hollywood dazu gehören, insgesamt ist der Film jedoch einmal etwas ungewohnt anderes, weil mit einem interessanten und eher seltenenThema bestückt. (Vielleicht sehen das vorzugsweise Zuschauer so, die einen experimentalarchäologischen Hintergrund, bzw. ein Interesse in dem Bereich haben).

Was die "Altersdiskriminierung" angeht: Ein Filmprojekt wird nach Gesamtzusammenhang umgesetzt. Und hat jemals jemand davon gehört, dass es im Film-Buisness "fair" zugeht?

Was wäre denn "künstlerische Fairness" in diesen Bereichen? Eine Rolle jemandem geben, der wohmöglich nicht so gut in die Rolle passt, aber dafür mehr dem Altersrealismus einer darzustellenden Figur entspricht? Die Filmindustrie interessiert es vorrangig nicht, ob das Alter von Darsteller*innen zu dargestellten Figuren passt. (Außerdem greift die künstlerische Freiheit und Maskenbildner*innen brauchen auch was zu tun). Die Filmindustrie interessiert sich für größtmöglichen Umsatz und bedient sich dafür der "legitimen" Mittel, die solange nicht angefochten werden, solange sie nicht gesetzlich verankert oder aus einem Selbstverständnis heraus reglementiert sind.

Und wie vom schwierigen Schicksal Judy Garlands bekannt ist, gibt es auch den genau umgekehrten Fall. Es kann also ohnehin niemals allen Recht gemacht werden.
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Re: Die Ausgrabung

Beitragvon ulfr » 08.02.2021 23:17

Blattspitze hat geschrieben: "Ageism", also Altersdiskrimminierung


*Gähn ...*
Das Problem war mir beim Ansehen des Film nicht bewußt und völlig egal, Carey Mulligan ist einfach klasse!
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